Doris Dörrie, Die Heldin reist
erschienen im Diogenes Verlag
Doris Dörrie hat uns immer mit ihren menschenverbindenden, weltoffenen Büchern und Filmen bestens unterhalten. Reisen ist ihr immer als Chance erschienen, über den Tellerrand hinaus zu blicken. In ihrem neuen Buch „Die Heldin reist“ erzählt sie uns von drei Reisen, die sie 2019 machte: nach Marokko, Japan und San Francisco. „Die Welt erschein mir ein aufregender, aber prinzipiell freundlicher Ort zu sein, den ich nur zu durchwandern hätte, um zu lernen und zu wachsen.“
Es ist also ein autobiografisches und sehr authentisches Buch. Vielleicht musste auch erst die Pandemie kommen, damit dieses Buch entstehen konnte, denn in der Regel verbringt Doris Dörrie kaum mehr als drei Monate im Jahr in Deutschland. Zu den beeindruckendsten Geschichten in diesem Buch gehört die über Tatsu, eine befreundete Japanerin, die an der Musikhochschule Hannover studiert und die eine schmerzhafte Affäre mit einem Gesangslehrer hatte. Für Tatsu, die sich nach allen Regeln der Kunst in Deutschland integrierte, blieb dieses Land immer ein seltsamer Kosmos, in dem sie sich als exotischen Fremdkörper erlebte.
Dörrie erzählt auch bestechend uneitel über ihre eigenen Ängste und selbstreflektierten Unzulänglichkeiten – Dinge, die man bei einer solch starken und charismatischen Frau nie vermutet hätte. Ein mutmachendes Buch für neugierige Frauen und andere Leute, die unterwegs sind in der Welt oder auch nur im eigenen Leben.
Barbara Weil [2022]



Der neue Brenner ist da. Mit sehr makabrem Humor, schrulligen Figuren und dem typisch seltsamen Sprachgebrauch stellt der österreichische Autor Wolf Haas seinem Ermittler Simon Brenner eine neue Herausforderung. Diesmal gerät der Brenner, der ausgestiegen ist aus dem Kriminalerberuf und daher nun bei der Müllabfuhr beschäftigt ist, ein eine Organhandelsgeschichte. Ein grausiger Leichenfund auf dem Mistplatz (wienerisch für Wertstoffhof) bringt ihn daher mit einem ehemaligen Kollegen zusammen, den der Brenner damals in seiner Zeit bei der Kripo ausgebildet hat. Nicht nur der alten Zeiten wegen, sondern auch weil es einfach so geschieht, steigt Brenner in die Ermittlungen ein – obwohl er doch eigentlich nie wieder ermitteln wollte.
Aus einem Stapel Neuerscheinungen habe ich mir willkürlich ein Buch gegriffen, dessen Cover eine wohltuende unaufgeregt Gestaltung hat. In einer ruhigen klaren Sprache sinniert der Erzähler darin über seine Kindheit in der Provinz des Nachkriegsdeutschlands. In einer Schlüsselszene berichtet er von einem Traum, in welchem er sehnsüchtig seine alten Eltern sucht. Als er seine alte Mutter findet, schaut diese ihn liebevoll an und er fühlt „… ein unbeschreibliches Glück.“ Sie sagt: „Hast du uns endlich gefunden“.
Mit „Wolkenkuckucksland“, einem herausragenden Schmöker dieses Leseherbsts, hat Anthony Doerr ein faszinierendes und fesselndes Buch geschrieben, dessen vielschichtiger Inhalt kaum kurz zusammenzufassen ist. Die Handlung ist in mehrere Erzählstränge aufgeteilt, die sich über einen geschickten Kniff des Autors miteinander verbinden: