Tim Blanning, August der Starke. Sachsens Sonnenkönig
übersetzt von Andreas Nohl, erschienen bei C.H. Beck
Wer war er, dieser August der Starke – Projektionsfläche des sächsischen Selbstverständnisses und berühmtester Fürst eines recht wichtigen deutschen Lands. Ein Lebemann? Ein militärischer Versager? Ein Weiberheld? Der englische Originaltitel der neuen Biographie „Augustus the Strong. A Study in Artistic Greatness and Political Fiasco“ spricht Bände. Laut seinem Biografen Tim Blanning, bis 2009 Professor an der University of Cambridge, war August zwar kein gute Militärstratege oder Politiker, konnte aber mit seinem großen Kunstverstand eine Vermächtnis von Weltrang hinterlassen. Die Bautätigkeit unter seiner Herrschaft erschuf eine der schönsten Stadtsilhouetten Europas und Augusts Kunst-sammlungen ziehen noch heute Tausende in die ehemalige Residenzstadt Dresden.
Auf nicht ganz 350 Seiten führt uns Tim Blanning in das Leben des Kurfürsten, beginnend mit dem Konflikt mit seinem älteren Bruder, von dem er schließlich den Thron übernimmt. Auf dem Höhepunkt seiner Macht wird August zum polnischen König gewählt. Tim Blanning konzentriert sich hier – wie so üblich in der Betrachtung von Herrscherpersönlichkeiten – auf die politischen Erfolge und Misserfolge des sächsischen Kurfürsten. Damit gibt er der Seite Augusts einen Schwerpunkt, die in allen Histörchen und Anekdoten zu kurz kommt, nämlich August als immer wieder scheiterndem Politiker.
Der Person August näherzukommen gelingt mit Hilfe dieser wunderbaren Biografie ganz außerordentlich. Von der ersten bis zur letzten Seite fesselnd, unterhaltsam und erhellend führt Autor Tim Blanning die Leserschaft durch das barocke Sachsen und Polen, erläutert familiäre und dynastische Hintergründe, die Politik der Zeit und Augusts nicht ganz erfolgreiches Machtstreben. Dabei entsteht ein wunderbares Panorama, der vielen kriegerischen Wirren und im Gegensatz zu dieser Grausamkeit auch stark lebensbejahenden, genussfreudigen Epoche.
Ines Klisch [Oktober 2026]



„Engel der letzten Nacht“ aus dem Fischer Sauerländer Verlag, geschrieben von
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