Markus Zabel, Verlassene Orte in Sachsen
erschienen im Sutton Verlag
Markus Zabel, ein junger Fotograf aus Jena, ist seit über zehn Jahren dem morbiden Charme verlassener Gebäude verfallen. Durch seinen besonderen Blick und die ästhetisch weich wirkenden Bilder haucht er den Dingen wieder Leben ein. Es wirkt fast so, als wären die alten Gebäude im Dornröschenschlaf.
Schon am Anfang des Buches „Verlassene Orte in Sachsen“ können wir einen detailreichen Blick in das Alte Stadtbad in Leipzig werfen, das bekanntlich seit vielen Jahren auf seinen Prinzen wartet. Im Wesentlichen dürfen wir hier, ohne Hausfriedensbruch zu begehen, in Werkshallen, verlassene Kulturstätten oder Gasthäuser schauen - manchmal aber auch in eine verlassene Villa im Wald oder einen Bauernhof. Orte, die davon erzählen, dass hier einst Menschen lebten und arbeiteten. Manchmal stehen die Bücher noch im Regal und auf dem Tisch sieht man Geschirr und eine leere Flasche Wein. Wenn die Menschen aber fort sind, werden die Gebäude zu Lost Places, sind Orte, die von der Vergänglichkeit menschlichen Seins berichten. Sie erzählen aber auch von gesellschaftlichen Umbrüchen, gerade im Osten Deutschlands, wo es praktisch keine Orte gibt in denen verlassene Gebäude davon Zeugnis ablegen, dass es hier vor 30 Jahren einen gewaltigen Umbruch gab. In Leipzig hat sich ja der Stadtrat dazu bekannt, das historische Stadtbad in der Eutritzscher Straße nicht nur zu bewahren, sondern auch wieder in Nutzung zu bringen. Das Schicksal der meisten anderen Gebäude in diesem Bildband wird wohl weniger optimistisch aussehen. Aber hier werfen wir einen Blick in verlassene Gemäuer, deren Geschichte es wert ist, bewahrt zu werden, bevor sie in den nächsten Jahren aus unserem Leben verschwunden sein werden.
Barbara Weil [Juni 2026]






aus dem amerikanischen Englisch von Hannes Meyer, erschienen bei Suhrkamp