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Charles Lewinsky, Eine andere Geschichte

erschienen im Diogenes Verlag

Die Hauptfigur in Charles Lewinskys neuem Roman „Eine andere Geschichte“ ist Curtis Melnitz, eine schillernde Persönlichkeit mit Leipziger Wurzeln.  Wir erleben ihn selbst als Erzähler seiner Geschichte, er berichtet, fabuliert, schwindelt und korrigiert, schmückt aus und lässt Lücken, die sich dann wiederum füllen, je weiter der Roman voranschreitet. Charles Lewinsky gelingt es, durch diese Art des Erzählens sowohl seine Figur äußerst lebensnah und glaubwürdig dazustellen als auch den Forscherdrang der Leserschaft anzuregen.

Bei  den  wöchentlichen Therapiesitzungen bei seinem Psychoanalytiker erzählt Curtis über sein Leben, das ihn aus einer kleinen Speisewirtschaft am Leipziger Brühl bis in die Höhen von Hollywood geführt hat. Der mittlerweile achtzig Jahre alte Filmagent und -produzent hat eine atemberaubende Lebensgeschichte hinter sich, die von den 1880er Jahren bis in die 1960er reicht. Jung an Jahren steigt Curtis, damals noch Kurt Chmelnitzki genannt, in das illegale Geschäft mit schlüpfrigen Fotografien ein. Aufgrund dessen verlässt er überstürzt seine Heimatstadt und wandert nach Amerika aus. Dort versucht er, sich einen Namen in der Filmbrache zu machen und erlebt den Siegeszug der bewegten Bilder.

„Eine andere Geschichte“ ist eine abenteuerliche Story mit vielen Wendungen, die zugleich auch eine Geschichte des Kinos ist. Unterhaltsam, leicht, tiefgründig und anregend – nahezu perfekt! 

Doch wer war Curtis Melnitz wirklich? Charles Lewinskys Großmutter berichtete über eine Begegnung in den dreißiger Jahren: Zwei Autos seien vorgefahren am Leipziger Brühl. Aus einem stieg ein wichtiger Mann aus Hollywood, der sie warnte: „Verschwindet aus Deutschland, […] hier wird es für Juden ganz schlimm.“ Diese Erzählung hat Lewinsky nie losgelassen und daraus ist dieses Buch entstanden.

Ines Klisch  [April 2026]


Svenja Leiber, Nelka

erschienen im Suhrkamp Verlag

Die in Hamburg geborene Svenja Leiber (Jahrgang 1975) beschreibt in ihrem Roman das Schicksal von Zwangsarbeiterinnen aus Osteuropa während der Nazizeit.

Nelka, eine junge Ukrainerin, wird auf offener Straße von deutschen Soldaten aufgegriffen und mit zahlreichen weiteren Mädchen nach Norddeutschland verschleppt. Dort muss sie als Zwangsarbeiterin auf einem Gutshof schuften, anfangs auf den Feldern und im Stall, später holt sie der Gutsverwalter Marten als Bedienstete ins Gutshaus. Er ist von dem jungen stillen Mädchen fasziniert und möchte sie gern in seiner Nähe haben. Ihre Kenntnisse über die Apfelveredelung, die sie von ihrem Vater gelernt hat, der 1941 nach dem Einmarsch deutscher Soldaten erschossen wurde, machte sich Marten zu Nutze und später machte er mit seinem Apfelhof ein Vermögen. Nach über fünf Jahrzehnten kehrt Nelka auf den Hof zurück um ihrem Peiniger von damals nochmal in die Augen zu schauen. 

Mit klarer, kompromissloser Sprache schildert Svenja Leiber berührend, wie Männer und Frauen in der deutschen Fremde schuften mussten, gequält wurden und auch starben, wie die Deutschen die Gefangenen wie selbstverständlich als Sklaven behandelten. Leiber berichtet von den fürchterlichen Zuständen in den Zügen, in denen die Aufgegriffenen transportiert wurden, von den Zuständen auf den Höfen, wo sie in Schuppen und Ställen schlafen mussten. Und sie erzählt von Freundschaften und Zusammenhalt in dieser schwierigen Zeit.

Es wird heute angenommen, dass rund zwei Millionen Menschen für das nationalsozialistische Deutschland Zwangsarbeit leisten mussten. Ohne die von ihnen geleistete schwerste und oft tödliche Arbeit wäre sowohl die Ernährung als auch die Bewaffnung während des Krieges nicht möglich gewesen. Svenja Leibers Roman gibt diesen Schicksalen eine Stimme.

Petra Rieche [März 2026]


Callan Wink, Bärenzähne

aus dem amerikanischen Englisch von Hannes Meyer, erschienen bei Suhrkamp

Callan Wink entführt uns mit diesem Roman nach Montana in die Rocky Mountains, kurz unterhalb der Grenze zu Kanada. Auf einer Fläche so groß wie Deutschland leben hier zwischen den Rockies und der Prärie nur etwa eine Million Menschen. Es ist eine Wildnis, in der man gut verschwinden kann, wenn man will.

Die Brüder Thad und Hazen haben sich das aber nicht ausgesucht, sie sind hier in den Bergen geboren. Das Haus, in dem sie leben, hat ihr Großvater gebaut, doch nun, nach dem Tod des Vaters erleben sie eine ganz neue Situation. Der Vater hinterlässt nicht nur eine emotionale Leere, sondern auch einen Berg Schulden. Thad ist eher strukturiert und wortkarg, Hazen versponnen und risikobereit. Der Winter naht, das Dach ist undicht, das Konto leer. Was tun? Sie machen Brennholz, um es zu verkaufen. Wenn Sie wildern, um das Fleisch zu verkaufen, stehen Sie schon am Rand der Legalität. Da tritt ein windiger Geschäftsmann auf den Plan, der ihnen ein Angebot macht. Wenn Sie im Yellowstone Nationalpark wildern gehen sowie Geweihe und Kultobjekte indigener Völker stehlen, wären sie auf einmal ihre Schulden los. Eine gigantische Herausforderung für zwei junge Männer: Auf der einen Seiten die raue Natur, schwer zugängliche Gebiete im Winter und auf der anderen Seite die Banken im Genick.

Bärenzähne ist ein packender Roman über die Bürde, füreinander sorgen zu müssen, über die Schönheit und Lebensgefahr in der wilden Natur. Ein Buch über Männlichkeit, Stolz und Verletzlichkeit und auch eine Sozialstudie über das heutige Amerika und an den Glauben daran, dass man es schaffen kann, wenn man nur aus dem richtigen Holz geschnitzt ist.

Barbara Weil  [Februar 2026]


Anne Stern, Die weiße Nacht

erschienen im Piper Verlag 

Neues Jahr – neue Krimireihe! Die Berliner Autorin Anne Stern bleibt ihrem erfolgreichsten Genre treu und eröffnet neben der äußerst beliebten Buchserie um Hebamme Hulda Gold nun eine weitere Krimireihe in historischem Setting. Auch diese spielt in Berlin, nun in der unmittelbaren Nachkriegszeit.

Im kalten Hungerwinter 1946 findet die junge Fotografin Lou Faber eine Leiche in den Ruinen des kriegszerstörten Berlin, die auf seltsame Weise zurechtgelegt ist. Auch Kriminalkommissar Alfred König, reaktiviert und rehabilitiert nach Jahren politischer Haft, bemerkt dieses Detail und ermittelt akribisch in verschiedene Richtungen. Doch die Nachkriegswirren, das Chaos der Kriegszerstörungen, die nur mühsam in Gang kommenden staatlichen Strukturen, alte Seilschaften und die Last der jüngsten Vergangenheit erschweren die Arbeit und König stößt immer wieder auf Sackgassen und Schweigen. 

„Die Weiße Nacht“ spielt an nur wenigen Tagen im Dezember 1946, mitten im sogenannten Hungerwinter, dem schwersten und kältesten des 20. Jahrhundert. Wir erleben das alltägliche Leben in der kriegszerstörten Stadt, die nur langsam und auf zum Teil abenteuerlich provisorische Weise versucht eine Normalität zu leben. Besonders gut gelingt Anne Stern die Zeichnung der Hauptfiguren mit ihren biografischen Brüchen und den enormen Belastungen, die die Nazizeit, der Krieg und die unmittelbare Nachkriegszeit abverlangten. Ergänzt wird dies mit einem gelungen konzipierter Kriminalfall, der eines der vielen dunklen Kapitel der nationalsozialistischen Herrschaft beleuchtet sowie einem wirklich interessanter Einblick in die Geschichte der Fotografie. 

Anne Sterns „Die weiße Nacht“ ist ein rundherum gelungenes Buch, ein sehr guter Kriminalroman, der mit Volker Kutschers oder Thomas Ziebulas historischen Krimis der 30er und 40er Jahre nicht nur mithalten kann, sondern diese noch erweitert. Ich freue mich schon auf Band zwei, der hoffentlich nicht zu lange auf sich warten lässt…

Ines Klisch  [Januar 2026]


Axel Hacke, Wie fühlst du dich? Über unser Innenleben in Zeiten wie diesen

erschienen im Dumont Verlag

Nach seinem sehr unterhaltsamen Buch über körperliche Zustände mit dem treffenden Titel „Aua!“ hat sich der Altmeister des hintergründigen Humors Axel Hacke in seinem neuen Buch nun der menschlichen Psyche zugewandt. Gewohnt locker fabuliert er darin über allerlei seelische Sorgen, Ängste und Beschwerden, aber auch über Gefühle wie Freude, Verbundenheit und (Lebens-) Sinn. Und er geht auch auf die vielbeschworenen gegenwärtigen Gesellschaftszustände ein und betrachtet diese aus seinem Blickwinkel – mit Augenzwinkern, aber auch mit viel Empathie und Ernsthaftigkeit.

Beim Lesen mutet dieses Buch immer wieder ein bisschen an wie ein Hackesches Manifest der Lebensregeln, gewonnen aus genauer Beobachtung der Mitmenschen und der eigenen Wahrnehmung. So erleben wir hier bei allem humorvollen Situationsbezug den Autor als Vermittler und Mahner dafür, dem eigenen Gefühl zu trauen und das Gute, Wahre und Schöne – nach eigener Überzeugung – zu schätzen.

»[Axel Hacke] plädiert dafür, positiv zu sein, statt sich irgendetwas vorgaukeln zu lassen und selbst Buch zu führen über das Schöne, was man erlebt oder einem widerfährt.« sagt Jürgen Deppe, NDR Kultur, über den Münchner Autor und sein neues Buch. „Wie fühlst du dich?“ ist eine anregende Lektüre, die hoffnungsvoll in die Zukunft blickt – sehr passend zur Advents- und Weihnachtsbotschaft. Für ein besonders intensives Hacke-Erlebnis empfehlen wir das Hörbuch, natürlich eingesprochen vom Autor selbst!

Ines Klisch  [Dezember 2025]


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