Anne Stern, Die weiße Nacht
erschienen im Piper Verlag
Neues Jahr – neue Krimireihe! Die Berliner Autorin Anne Stern bleibt ihrem erfolgreichsten Genre treu und eröffnet neben der äußerst beliebten Buchserie um Hebamme Hulda Gold nun eine weitere Krimireihe in historischem Setting. Auch diese spielt in Berlin, nun in der unmittelbaren Nachkriegszeit.
Im kalten Hungerwinter 1946 findet die junge Fotografin Lou Faber eine Leiche in den Ruinen des kriegszerstörten Berlin, die auf seltsame Weise zurechtgelegt ist. Auch Kriminalkommissar Alfred König, reaktiviert und rehabilitiert nach Jahren politischer Haft, bemerkt dieses Detail und ermittelt akribisch in verschiedene Richtungen. Doch die Nachkriegswirren, das Chaos der Kriegszerstörungen, die nur mühsam in Gang kommenden staatlichen Strukturen, alte Seilschaften und die Last der jüngsten Vergangenheit erschweren die Arbeit und König stößt immer wieder auf Sackgassen und Schweigen.
„Die Weiße Nacht“ spielt an nur wenigen Tagen im Dezember 1946, mitten im sogenannten Hungerwinter, dem schwersten und kältesten des 20. Jahrhundert. Wir erleben das alltägliche Leben in der kriegszerstörten Stadt, die nur langsam und auf zum Teil abenteuerlich provisorische Weise versucht eine Normalität zu leben. Besonders gut gelingt Anne Stern die Zeichnung der Hauptfiguren mit ihren biografischen Brüchen und den enormen Belastungen, die die Nazizeit, der Krieg und die unmittelbare Nachkriegszeit abverlangten. Ergänzt wird dies mit einem gelungen konzipierter Kriminalfall, der eines der vielen dunklen Kapitel der nationalsozialistischen Herrschaft beleuchtet sowie einem wirklich interessanter Einblick in die Geschichte der Fotografie.
Anne Sterns „Die weiße Nacht“ ist ein rundherum gelungenes Buch, ein sehr guter Kriminalroman, der mit Volker Kutschers oder Thomas Ziebulas historischen Krimis der 30er und 40er Jahre nicht nur mithalten kann, sondern diese noch erweitert. Ich freue mich schon auf Band zwei, der hoffentlich nicht zu lange auf sich warten lässt…
Ines Klisch [Januar 2026]



erschienen im Dumont Verlag
Eine bestrickende Idee steckt hinter dem Buchprojekt von Matthias Jügler „Wir dachten, wir könnten fliegen“: mittels einer Erzählung ein ausgestorbenes Tier wieder lebendig werden zu lassen und damit einen Beweis für die schöpferische Kraft von Literatur zu erbringen. Seine Intention war dabei auch, für die Natur zu sensibilisieren und auf Vergänglichkeit und Artensterben hinzuweisen. Für dieses Projekt versammelte Jügler nach eigenen Angaben von ihm verehrte Autorinnen und Autoren, 20 an der Zahl, deren Aufgabe es war, über ausgestorbene Tiere und Pflanzen zu schreiben.
aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren, erschienen im Hanser Verlag
aus dem Französischen von Kirsten Gleinig, erschienen im Eisele Verlag