Thomas Ziebula, Engel des Todes
erschienen im Wunderlich Verlag
März 1920: Kriminalinspektor Paul Stainer hat in seinem Leben als Kriminalist und als Soldat an der Front schon viel gesehen, doch der Anblick des Tatorts in einem Mietshaus im Leipziger Stadtteil Plagwitz lässt ihn erschaudern. Der Mörder muss mit kaltblütiger Grausamkeit vorgegangen und von enormem Hass übermannt worden sein. Wenige Tage später wird ein weiterer Toter gefunden und der Kriminalinspektor erkennt schnell die Parallelen zum Plagwitzer Mord: Die Opfer waren Männer mittleren Alters, die allein lebten, und die in der Fliegerstaffel Manfred von Richthofens im Ersten Weltkrieg gedient hatten. Stainer und sein Assistent beginnen gezielt zu ermitteln, doch die Ereignisse überschlagen sich in mehrfacher Hinsicht: Der Mörder hat noch weitere Namen auf seiner Todesliste. Stainer erkennt bald, dass er einen Täter verfolgt, der in seiner Vergangenheit selbst zum Opfer wurde. Nicht nur der Mörder, auch Stainer selbst, seine Kollegen und viele weitere Figuren dieses gelungenen Romans zeigen uns Lesern, was Kriege in den Seelen der Menschen anrichten, die sie durchmachen müssen.
Thomas Ziebula setzt in diesem dritten Band seiner Krimireihe um Kriminalinspektor Paul Stainer erneut dem historischen Leipzig ein Denkmal – einer der vielen Städte, deren Antlitz durch den zweiten Weltkrieg stark verändert wurde. So wandert man beim Lesen nicht nur durch eine spannende Kriminalgeschichte mit psychologisch fein gestalteten Figuren und deren erschütternden – weil historisch plausiblen – Biografien, sondern man erlebt auch den Glanz und das Elend der Messemetropole Leipzig in den wilden 20er Jahren.
Ines Klisch [2022]



Doris Dörrie hat uns immer mit ihren menschenverbindenden, weltoffenen Büchern und Filmen bestens unterhalten. Reisen ist ihr immer als Chance erschienen, über den Tellerrand hinaus zu blicken. In ihrem neuen Buch „Die Heldin reist“ erzählt sie uns von drei Reisen, die sie 2019 machte: nach Marokko, Japan und San Francisco. „Die Welt erschein mir ein aufregender, aber prinzipiell freundlicher Ort zu sein, den ich nur zu durchwandern hätte, um zu lernen und zu wachsen.“
Der neue Brenner ist da. Mit sehr makabrem Humor, schrulligen Figuren und dem typisch seltsamen Sprachgebrauch stellt der österreichische Autor Wolf Haas seinem Ermittler Simon Brenner eine neue Herausforderung. Diesmal gerät der Brenner, der ausgestiegen ist aus dem Kriminalerberuf und daher nun bei der Müllabfuhr beschäftigt ist, ein eine Organhandelsgeschichte. Ein grausiger Leichenfund auf dem Mistplatz (wienerisch für Wertstoffhof) bringt ihn daher mit einem ehemaligen Kollegen zusammen, den der Brenner damals in seiner Zeit bei der Kripo ausgebildet hat. Nicht nur der alten Zeiten wegen, sondern auch weil es einfach so geschieht, steigt Brenner in die Ermittlungen ein – obwohl er doch eigentlich nie wieder ermitteln wollte.
Aus einem Stapel Neuerscheinungen habe ich mir willkürlich ein Buch gegriffen, dessen Cover eine wohltuende unaufgeregt Gestaltung hat. In einer ruhigen klaren Sprache sinniert der Erzähler darin über seine Kindheit in der Provinz des Nachkriegsdeutschlands. In einer Schlüsselszene berichtet er von einem Traum, in welchem er sehnsüchtig seine alten Eltern sucht. Als er seine alte Mutter findet, schaut diese ihn liebevoll an und er fühlt „… ein unbeschreibliches Glück.“ Sie sagt: „Hast du uns endlich gefunden“.
Mit „Wolkenkuckucksland“, einem herausragenden Schmöker dieses Leseherbsts, hat Anthony Doerr ein faszinierendes und fesselndes Buch geschrieben, dessen vielschichtiger Inhalt kaum kurz zusammenzufassen ist. Die Handlung ist in mehrere Erzählstränge aufgeteilt, die sich über einen geschickten Kniff des Autors miteinander verbinden: